Mühlviertel

Der Charakter des Nordens

Der Minimalismus ist ein Mühlviertler

Die ganze Erde ist in tektonischer Bewegung. Die ganze? Nein. Im Herzen Europas leistet ein kleiner Fleck hartnäckigen Widerstand: das Mühlviertel. Denn die Region nördlich der Donau ist Teil des böhmischen Massivs und somit fester Träger im granitenen Grundgerüst unseres Planeten. Es ist eines der geologisch ältesten Gebiete Österreichs, eine Urgesteinsscholle. Sogar dem Druck der sich später auftürmenden Alpen hielt es stand, hob sich nur ein wenig, wie um durchzuatmen, bekam einige Sprünge ab, blieb aber ansonsten unbeeindruckt. Alleine Wasser, Frost, Wind und Temperaturunterschiede schufen in 300 Mio. Jahren seine jetzige Form.

 

Glas

Das Böhmerwaldgebiet ist nahezu ein Synonym für Glasproduktion und besondere Glasverarbeitung. Kein Wunder also, dass der älteste Glasofen des Mühlviertels aus dem 14. Jahrhundert stammt. Ortsnamen wie Glasau und Glashütten erzählen uns davon. Im 16. Jahrhundert konzentrierte sich die Produktion rund um das Stift Schlägl, Liebenau und Sandl. Hier wurde vom einfachen Trink- und Vorratsglas bis zum geschliffenen und bemalten Weihbrunnkessel bestes "Böhmisches" Glas gefertigt. Die gläsernen Schätze von einst sind heute unter anderem im Glasmuseum Ulrichsberg ausgestellt. Wie unser Glaskrug von 1830, der bei aller Hochachtung für die Handwerkskunst vor allem für den Genuss des feinen Mühlviertler Biers hergestellt wurde.

 

Kunst

Begradigt das Mühlviertel! Ein Rasenmäher versucht, Ordnung in die Landschaft zu pflügen. Spinnereien? Nein, Projekte des Festivals der Regionen. Kunst und Kultur im Mühlviertel geben sich keineswegs immer so archaisch wie die Landschaft. Ein Blick zurück lässt an die 1955 gegründete Mühlviertler Künstlergilde denken, oder an die Zülow-Gruppe. Bildende Künstler, die mit einem Fuß in der Vergangenheit standen, mit dem anderen die Gegenwart auszuloten suchten. Heute hat sich die Kulturszene aufgefächert. Ein bunter Bogen spannt sich von den Verlegern Richard Pils und Franz Steinmassl über das Jazzatelier Ulrichsberg, die Lokalbühne Freistadt, Bildhauer-Werkstätten, den Skulpturenpark Schwarzenberg, die Textile Kultur Haslach, die Grenzlandbühne Leopoldschlag, Keramik, Grafik und vieles mehr - bis hin zum Mühltalhof und seinen Kunstaktivitäten.

 

Genuss

Wanderer, kommst du ins Mühlviertel, findest du die unglaublichsten Plätze für Schwammerl, Hausmannskost und Haubenlokale. Du kannst also, wenn dein Cholesterinspiegel es zulässt, köstlichen Schweinsbraten und Knödel verzehren; du kannst, selbst mit beschränkten Fachkenntnissen, herrlichen Steinpilzen und Eierschwammerln nachjagen. (Parasole stehen lassen, es könnten Knollenblätterpilze sein!) Du kannst dich, z.B. in Neufelden oder in St. Johann am Wimberg, mit einem unglaublich raffinierten Menü verwöhnen lassen. Und schließlich solltest du dich durch Wald und Wiese bewegen, damit sich der Genuss nicht in deinem Gewicht wiederfindet. Du kannst aber auch einfach zu Hause bleiben und ein ganz besonderes Mühlviertler Schmankerl, den feinen Neuburger, genießen.